Vernetzung führt zu Verlangsamung

Aus einem kurzen Videobeitrag // Quelle: labkultur.tv

Peter Sloterdijk:

„Vernetzung ist eine ambivalente Größe. Sie kann dafür sorgen, dass in immer kürzerer Zeit, immer mehr Informationen, immer mehr Produktivkräfte, immer mehr Hilfstruppen mobilisiert werden können, um in einem bestimmten Knotenpunkt alles zusammen zu bringen, um in der kürzesten aller möglichen Zeiten zu einem Ergebnis zu führen.

Meine Beobachtung spricht dafür, das Vernetzung zu Verlangsamung führt. Weil je mehr Akteure an einem Projekt beteiligt sind, desto mehr treten sie sich aneinander gegenseitig in den Weg. Wir steuern auf eine Weltform zu, in der die gegenseitige Behinderung das Gesetz der Realität werden wird. Wenn jeder jeden behindern kann, dann sind wir der Meinung das wir in der vollkommenen Demokratie leben. Denn Dekokratie ist in gewisser maßen nichts anderes als ein Ausdruck dafür, das jeder alles verhindern kann was ihm nicht gefällt. Das also eine so große Vielzahl von Aktören da ist, das es immer einen Überhang der Behinderung gegenüber der Realisierung gibt. Und das ist im Grunde genommen die letzte Utopi die wir haben. Das nämlich eine hinreichend große Zahl an Verhinderern ​da ist, die dafür sorgt das der Wahnsinn sich nicht verwirklicht, den die ganz großen Projektemacher, die ganz schnellen Planer sich ausgedacht haben. Denn der Weltuntergang liegt auf der Linie der Beschleunigung, der Vernetzung, der Kooperation. Und die Erhaltung der Welt liegt merkwürdigerweise auf der Seite der Entschleunigung und der gegenseitigen Blockierung. Wenn es uns nur gelingen würde, alle Projekte zu verhindern die die Weltbeschleuniger heute sich schon ausgedacht haben, dann wäre uns wahrscheinlich schon in sehr vielen wesentlichen Punkten geholfen.“