Warum die Raumfahrt das wichtigste Projekt unserer Zeit ist

Elon Musk ist bekannt für seine Erfolge als Internetunternehmer (insbesondere mit dem Bezahldienst PayPal) und der Gründung von drei weiteren Unternehmen: dem Solarstromunternehmen SolarCity, dem Elektroautohersteller Tesla Motors und seinem dritten Unternehmen SpaceX, mit dem er die Vision verfolgt, die Menschheit als multiplanetare Spezies in die Zukunft zu führen.

Elon Musk wurde als Gründer, CEO und Chief Designer von SpaceX folgende Frage gestellt (Quelle: boingboing.com 2012):

Do you see a space-faring civilization as a way of defending humanity against a catastrophe on Earth?

Elon Musk:

Absolutely. We would be backing up the biosphere. We wouldn’t just be preserving humanity, we would be preserving much of life. It is certainly possible for some calamity to come along — as we see in the several major extinction events in the fossil record. Humanity has obviously developed the means of destroying itself, so I think we need planetary redundancy to protect against the unlikely possibility of natural or man-made Armageddon.

It is important that we take action now to make life multi-planetary, because this is really the first point in the 4-billion-year history of Earth that it has been possible. That window of possibility will hopefully be open for a long time, but it may only be open for a short time. That’s why I think urgent action is required on making life multi-planetary.

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Dazu passt meines Erachtens nach sehr gut ein Auszug aus Peter Sloterdijk’s (großartigem) Vortrag “Der Mensch als homo technologicus” aus dem Jahr 2007 (Beginn dieser Passage bei 43:18 min — YouTube).

Peter Sloterdijk:

Die Raumfahrt ist wahrscheinlich im Moment das wichtigste technische oder überhaupt anthropologische Projekt. Man könnte sagen es ist gerade zu ein religiöses Projekt. Es ist die wichtigste Maßnahme zur Selbstaufklärung der Menschheit über ihre Situation in der Welt, indem sie nämlich im lebensfeindlichen Raum, ganz weit draußen im Weltall, wo Menschen eigentlich nichts zu suchen haben, sozusagen einen Außenposten für Menschen schaffen, müssen sie zeigen, das sie verstanden haben, unter welchen Bedingungen Menschen überhaupt existieren können. Das heißt sie müssen die Welt und die Umwelt so nachbauen, das dort ein Mensch vorkommen kann. Und das führt in aller erster Linie dazu, dass Menschen anfangen müssen atmosphärische Verantwortung zu übernehmen. Atmosphäre ist eigentlich das, was Menschen ganz zuletzt entdecken, wenn sie begreifen das sie sie beinahe zerstört haben. Atmosphäre ist dasjenige, was ganz implizit ist und immer bis zuletzt nur vorausgesetzt wird. Technik aber bedeutet das man alles was implizit war, explizit nachspielt. Modernität ist nichts anderes als ein Prozess der Umwandlung von impliziter Immunität in explizite Immunität. Wenn sie merken das die Luft vergiftet ist, dann begreifen sie erst das sie hier im Bereich der impliziten Immunitätsvorraussetzungen ihren Kredit überzogen haben. Und von dort her kann man dann Rückschlüsse ziehen, auf die Anforderungen an ein adäquates Sekuritätsmanagement, was ja nichts anderes ist, als Technikpolitik im allgemeinen.

Mich persönlich fasziniert der Gedanke, das wir durch die Raumfahrt dazu gezwungen werden, uns als Bewohner einer endlichen und geschlossenen Sphäre zu sehen und auch zu verstehen. Somit richten wir den Blick auf uns selbst, in einer Art und Weise, wie es nur vom Weltraum aus möglich ist.

Header-Image: STS-134 International Space Station after undocking // Source: http://en.wikipedia.org/wiki/File:STS-134_International_Space_Station_after_undocking.jpg // Wikipedia

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